Mechanische Uhr oder Automatikuhr? Handaufzug und Bewegungsrotor im Vergleich

Mechanische Uhr oder Automatikuhr: Aufziehen oder bewegen?

Die filigrane Handwerkskunst, die in Uhren verbaut ist, fasziniert seit Jahrhunderten uhrenbegeisterte Menschen. Hunderte Einzelteile wie Schrauben, Federn und Zahnräder werden von Uhrmachern an ihren Platz gebracht und bringen die kleinen Meisterwerke zum Laufen. Mechanische Uhren gelten dabei als wertvolle Klassiker von traditionellen Uhrmachern – doch erfordern sie mindestens einen täglichen Handgriff zum Aufziehen, um ununterbrochen zu laufen. Automatikuhren verzichten zwar darauf, bedingen aber die regelmäßige Prüfung durch den Uhrmacher, damit sie jahrelange Freude bringen. Für welche Variante sich der Uhrenfreund oder die Uhrenfreundin letztlich entscheidet, ist in den meisten Fällen eine reine Geschmacksfrage und hängt nicht nur von der Art des Aufzugs ab.

Mechanische Uhren: Ein Highlight für Uhrenliebhaber:innen

Mechanische Uhren werden aufgezogen, indem per Hand die Krone gedreht und damit eine Aufzugswelle und Räder in Bewegung gebracht werden, die wiederum eine Feder spannen, die die Energie der Drehung speichert und an das Räderwerk abgeben kann. In diesem Räderwerk befinden sich das Minuten-, Sekunden- und Kleinbodenrad.

Uhrenliebhaber:innen und Sammler:innen klassischer Uhren-Meisterwerke werden sich wahrscheinlich, wenn sie die Wahl haben, immer wieder für mechanische Uhren entscheiden. Diese waren die ersten Armbanduhren und erfreuen sich seit Jahrhunderten bis heute einer Beliebtheit, die nicht nur aufgrund von Nostalgie besteht. Der regelmäßige erforderliche Handaufzug, der die Uhr in Betrieb hält, mag für moderne Träger:innen eher lästig erscheinen, während Nostalgiker:innen ihn als lieb gewonnenes, tägliches Ritual betrachten.

Heutzutage werden mechanische Uhren durch ein einfaches Drehen an der Aufzugskrone aufgezogen. Dieser Mechanismus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt, während zuvor noch ein so genannter Aufzugsschlüssel für die Inbetriebnahme erforderlich war. Moderne, mechanische Uhren verfügen über eine Gangreserve von bis zu 48 Stunden und bedingen daher kein tägliches Aufziehen, allerdings sollte der gewählte Aufzugszeitpunkt immer in etwa zur selben Uhrzeit erfolgen. Anderenfalls könnte mit der Zeit die Ganggenauigkeit von mechanischen Uhren leiden. Die Langlebigkeit von mechanischen Uhren punktet gegenüber jener von Automatikuhren. So können mechanische Uhren auch noch nach Jahrzehnten wieder funktionstüchtig gemacht werden. Das steigert nicht nur die Haltbarkeit, sondern auch den Uhrenwert und macht gerade mechanische Uhren hochwertiger Hersteller beliebt als Wertanlage.

Vorteile mechanischer Armbanduhren auf einen Blick

  • Nostalgiefaktor und Traditionsbewusstsein: Das puristische Aufziehen begeistert viele Uhrenfans, die den ursprünglichen Charakter einer Uhr schätzen.
  • Tägliches Ritual: Viele Fans von Handaufzugsuhren betrachten den Moment des Aufziehens als ein Ritual, das einem die hohe Handwerkskunst und die Bedeutung von Zeit täglich vor Augen führt.
  • Lange Gangreserve: Bis zu 48 Stunden
  • Zuverlässige Ganggenauigkeit bei regelmäßigem Aufzug
  • Langlebigkeit
  • Reparaturen auch nach Jahren möglich (Werterhalt)
  • Mechanische Uhren sind schlanker gebaut als Automatik Uhren, da der Rotor als Bauteil fehlt, was eine niedrige elegant-dezente Gehäusehöhe zulässt. Dies wird vor allem bei Herrenuhren als Vorteil gesehen, da die Uhr sowohl zum Businessanzug als auch zur Abendgarderobe eine gute Figur macht.
  • Durch das Fehlen des Rotors ist es möglich bei Glasböden in das mechanische Herz der Uhr zu blicken und die komplette Schönheit des Werkes und dessen Einzelteile zu bewundern. 

Nachteil

  • Durch das häufige Drehen der Krone kann bei Handaufzugsuhren die Kronendichtung verschleißen. Deswegen lässt die Wasserdichte nach längerer Nutzung der Uhr nach. Man kann die Dichtungen zwar erneuern, jedoch wird das Problem immer wieder auftreten.

Automatikuhren: Antrieb durch natürliche Bewegungen

Bei Automatikuhren entfällt das manuelle Aufziehen. Hier übernimmt die Körperbewegung beim Tragen den notwendigen Aufzug der Feder. Ein eingebauter Rotor wird in Schwingung gebracht, der dank Automatik den gleichen Ablauf im Uhrwerk in Bewegung setzt wie im Mechanik-Werk.

Automatikuhren eignen sich für Uhrenträger:innen, die das tägliche Aufziehen rasch vergessen würden oder es schlicht lästig finden. Die Uhren werden durch die natürlichen Bewegungen des Handgelenks dank Automatik-Funktion aufgezogen. Das gelingt durch einen beweglichen Rotor im Inneren der Uhr, der durch alltägliche Bewegungen angetrieben wird. Hierin liegt aber auch der Nachteil: Wird die Uhr für längere Zeit nicht getragen, ist sie erst nach zahlreichen, kräftigen Bewegungen wieder einsatzfähig – lästig und unpraktisch für uhrenbegeisterte Damen und Herren, die nur zu besonderen Anlässen zur Armbanduhr greifen.

Durch spezielle Uhrenbeweger, die zum Einsatz kommen, wenn die Uhr nicht getragen wird, kann dieses Manko allerdings leicht ausgeglichen werden. Außerdem muss das Uhrwerk von Automatikuhren, ähnlich wie bei Ersatzteilen eines Autos, regelmäßig durch den Uhrmacher untersucht und gegebenenfalls teilweise ausgetauscht werden. Die Innovation von Automatikuhren, die statt auf den manuellen Aufzug lediglich auf alltägliche, intuitive Bewegungen angewiesen sind, geht auf den schweizer Uhrmacher Abraham-Louis Perrelet und seinen belgischen Kollegen Dieudonné-Hubert Sarton zurück. Ende des 18. Jahrhunderts wurde durch die Erfindung einer ununterbrochenen Energiezufuhr auf das Uhrwerk die Basis für Automatikuhren geschaffen.

Vorteile von Automatikuhren auf einen Blick

  • kein manueller Aufzug nötig: Bei täglichem Gebrauch ist eine Automatik-Uhr viel funktionaler als eine Uhr mit Handaufzug. Das Nutzen der Bewegungsenergie ist eine wunderbare Möglichkeit, diese nicht verpuffen zu lassen. Im Alltag sehr praktisch, da sich die Uhr durch die eigene Körperbewegung aufzieht. Somit entfällt das manuelle Aufziehen.
  • lange Gangreserve je nach Modell
  • hohe Ganggenauigkeit bei regelmäßiger Inspektion: In Punkto Ganggenauigkeit ist die Automatikuhr der Handaufzug-Uhr einen Schritt voraus. Da beim Handaufzug die Spannung der Feder nach geraumer Zeit nachlässt, läuft die Uhr langsamer und damit ungenauer. Bei der Automatik-Variante wir durch die Alltagsbewegung die Uhr permanent aufgezogen und läuft somit mehr oder weniger kontinuierlich.

Nachteile

  • Ein Uhrenbeweger, der das Tragen simuliert, wird benötigt, damit die Uhr bei längerer Aufbewahrung trotzdem sofort einsatzfähig bleibt.
  • Bei automatischen Uhren ist nach jahrelangem Gebrauch geringer Verschleiß festzustellen. Das Werk sollte bei sehr hochwertigen Automatikuhren in regelmäßigen Abständen überprüft werden – dies ist bei Handaufzugsuhren jedoch auch anzuraten.

Welche Uhr ist die richtige?

Ob nun eine mechanische oder eine Armbanduhr mit Automatik ausgewählt wird, liegt an dem gewünschten Fokus des Uhrensammlers oder der Uhrensammlerin. Die Entscheidung pro oder contra Mechanik oder Automatik findet meistens auf der emotionalen Ebene statt. Bei echten Uhrensammlern sind häufig beide Werktypen nebeneinander zu finden. Einen großen Vorteil haben beide Varianten gemein: Der Verzicht auf eine Batterie. Das schont nicht nur langfristig das Portemonnaie, sondern spart auch den zeitlichen Aufwand eines Batteriewechsels. Die Umwelt wird es Uhrenträger:innen ebenfalls danken, die sich für mechanische Uhren mit Handaufzug oder Automatikuhren mit Bewegungsrotor entscheiden. Letztlich entscheiden auch ästhetische Aspekte der Uhr selbst darüber, ob sie der eigenen Uhrensammlung hinzugefügt wird. So sind Design und Funktion des Modells meist ausschlaggebender über die Kaufentscheidung als die Möglichkeit eines automatischen oder eines Handaufzugs. Die Entscheidung ist also komplett individuell. Schließlich tickt jeder Mensch – wie auch jede Uhr – anders!